Beim Sanitätsdienst der Bundeswehr - "Pilsingers Sprechstunde"

Beim Sanitätsdienst der Bundeswehr - "Pilsingers Sprechstunde"

Beim Sanitätsdienst der Bundeswehr – „Pilsingers Sprechstunde“

Im Rahmen der aktuellen Sicherheitsdebatte sind unsere Sicherheitskräfte wieder stärker in den Fokus gerückt. Mich interessieren auch die Menschen in den Institutionen, die meist mit viel persönlichem Einsatz und nicht selten weiter über das dienstlich Erforderliche hinaus, ihren Beitrag leisten. Dazu gehört auch die Bundeswehr.

München ist auch Bundeswehrstandort. Im Rahmen meiner Reihe „Pilsinger Sprechstunde“ besuche ich Menschen, Institutionen, Vereine und Verbände in München und möchte mit ihnen ins Gespräch kommen. Dabei steht auch die Bundeswehr auf dem Programm, und – weil es inhaltlich zu meinem Beruf passt –  eine Einrichtung des Sanitätsdienstes.  Dabei habe ich das Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr (InstPharmToxBw) besucht. Durch das Institut geführt hat mich Institutsleiter Prof. Dr. Horst Thiermann, Oberstarzt der Bundeswehr.

Das Institut für Pharmakologie und Toxikologie gehört zur Sanitätsakademie der Bundeswehr im Münchner Norden, einem der zentralen Standorte des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Das Institut forscht auf dem Gebiet des medizinischen Schutzes vor chemischen Waffen und hat dabei einen weltweit anerkannten Ruf.

Im Wesentlichen geht es darum sowohl mit Expertise bereit zu stehen, wenn es zur Gesundheitsgefährdung durch chemische Waffen kommt, ebenso durch die Bereitstellung von mobilen Einsatzkräften, die über diese Expertise verfügen und auch auf dem Gebiet des Schutzes vor chemischen Kampfstoffen zu forschen. Dabei unterhält das Institut eine Task Force in Rufbereitschaft, die mit toxikologischem Spezialwissen schnell zur Verfügung steht und verfügt über mobiles Personal, das zum Beispiel bei ungewöhnlichen Vergiftungsfällen vor Ort zur Unterstützung bei der qualifizierten Probenentnahme zur Verfügung stehen kann. Über 40 Mitarbeiter hat das Institut.

An Einsätzen der Bundeswehr ist das Institut ebenfalls mit dabei,  zum Beispiel bei der fachgerechten Vernichtung syrischer Chemiekampfstoffe, die auf dem US-Spezialschiff „Cape Ray“ im Mittelmeer durchgeführt wurde.

Auch bei der Entwicklung von Gegenmitteln (Antidoten) zu chemischen Waffen ist das Institut im Forschungsverbund beteiligt  – so konnten Gegenmittel gegen Nervenkampfstoffe, Blausäure und Insektizide entwickelt werden.

Trotz des Verbotes durch die Chemiewaffenkonvention von 1997 sind noch immer große Mengen dieser Gifte weltweit vorhanden und sind eine latente Gefahr. Zudem können diese auch mit vergleichsweise geringem Fachwissen und technischen Einrichtungen hergestellt werden, wodurch sie auch durch nichtstaatliche Akteure vergleichsweise leicht produziert werden können.

Auch wenn das Institut ein militärisches ist, ist es auch für den zivilen Bereich von entscheidender Bedeutung, da der Bereich des medizinischen Schutzes vor chemischen Kampfstoffen in zivilen Kliniken unterrepräsentiert ist. Auch ist es aus rechtlichen Gründen die einzige nationale Institution, die mit chemischen Kampfstoffen arbeiten darf – natürlich nur zum Zweck der medizinischen Forschung.

Leider müssen wir davon ausgehen, dass mögliche Terrorszenarien den Einsatz chemischer Kampfstoffe beinhalten könne, wie zum Beispiel 1995 in der Tokioter U-Bahn,  – damit wird das Ganze zu einer Frage für die ganze Bevölkerung.  Ich bin der Meinung, dass wir die Sensibilität gegenüber medizinischem Schutz vor chemischen Kampfstoffen schärfen müssen und dieser auch in den zivilen Kliniken der Maximalversorgung stärker repräsentiert sein sollte.

 

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