Ein Abend in der Bahnhofsmission München – „Pilsingers Sprechstunde“

Ein Abend in der Bahnhofsmission München – „Pilsingers Sprechstunde“

Ein Abend in der Bahnhofsmission München – „Pilsingers Sprechstunde“

Mehr als 400.000 Menschen nutzen den Münchner Hauptbahnhof täglich. Der Hauptbahnhof ist aber nicht nur lediglich „Durchgangsstation“ für Reisende oder Pendler, er ist auch Arbeitsplatz, Aufenthaltsort, Lebensader. Der Hauptbahnhof gehört im Wahlkreis München-West/Mitte zu den zentralen Fixpunkten, die einen ganzen Bezirk prägen.

Immer wieder habe ich in den letzten Monaten meiner Wahlbewerbung in und um den Bahnhof Menschen und Institutionen besucht oder besichtigt, stets im Rahmen meiner Reihe „Pilsingers Sprechstunde“, bei der ich mit Menschen im Wahlkreis ins Gespräch komme und ihre Sichtweise und Herausforderungen kennenlerne. Diesmal habe ich einen Abend bei einer für viele Menschen sehr wichtigen Einrichtung verbracht, die an einer Menge großer und mittlerer Bahnhöfe als Anlaufstelle fungiert: Die Bahnhofsmission. Die gibt es in München seit über 120 Jahren.

Die Bahnhofsmission München an Gleis 11 hat nie geschlossen. Ob Sonntag oder Feiertag und 24 Stunden am Tag – hier ist immer geöffnet. Im digitalen Zeitalter haben wir uns an ganztägige Verfügbarkeit viele Dienstleistungen gewöhnt. Dass es etwas physisch offen steht und immer aufgesucht werden kann, bleibt auch in unseren Zeiten etwas besonderes. Bei der Bahnhofsmission war das schon immer so.

Als eine der größten Bahnhofsmissionen in Deutschland bietet die Bahnhofsmission München erstmal das, was alle bieten: Ein bewusst niedrigschwelliges Angebot, an das sich alle Menschen mit einem Anliegen richten können. Etwa 200-300 machen davon täglich Gebrauch, wie mir Bettina Spahn und Barbara Thoma, die Leiterinnen der Bahnhofsmission München erklärten. Viele Menschen  brauchen praktische Hilfe zum Beispiel nach einem Geldbeuteldiebstahl, sie brauchen ein Pflaster, eine Auskunft oder etwas zu essen. Auch Menschen, die verzweifelt sind, oder komplexere Hilfen brauchen, kommen in die Bahnhofsmission. Nachts bietet man auch Schutz suchenden Frauen und Kindern vor Ort eine Notunterkunft. Und es ist immer jemand zum Reden da. Wo die Möglichkeiten der Einrichtung enden, hilft sie in die zuständige Institution weiter. Die 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – viele davon ehrenamtlich – sind allesamt „Experten für das soziale Netz“ und wissen bescheid, wer für was zuständig ist und wo man ihn oder sie findet – auch über die Grenzen der Landeshauptstadt hinaus.

Finanziert wird die Bahnhofsmission durch die evangelische und katholische Kirche und die Stadt sowie durch Spenden. Auch die Bahn leistet einen Beitrag und stellt die Räumlichkeiten der Bahnhofsmission kostenlos zur Verfügung.

Auch die Geschichte der Bahnhofsmissionen in Deutschland ist übrigens interessant: Begonnen hat alles mit dem Schutz für junge Frauen, die im Zuge der Industrialisierung in Städte zogen und eine Anlaufstelle brauchten. Nach einigen Jahren standen allen Hilfesuchenden die Tore der Bahnhofsmission offen.  Träger waren konfessionelle gebundene Vereine – konfessionelle Trennung wurde irgendwann zurückgeführt. Ich bedanke mich herzlich bei Bettina Spahn und Barbara Thoma, die mich durch die Bahnhofsmission geführt haben.

 

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