Kampf gegen Erbschleicherei –  im Gespräch mit Seelsorgerin Schwester Bernadette

Kampf gegen Erbschleicherei –  im Gespräch mit Seelsorgerin Schwester Bernadette

Kampf gegen Erbschleicherei –  im Gespräch mit Seelsorgerin Schwester Bernadette

 

Im Rahmen von „Pilsingers Sprechstunde“ besuche ich Einrichtungen, Institutionen, Firmen, Vereine, Verbände und vor allem Menschen in München um mehr über ihre Sichtweisen und Herausforderungen zu erfahren. So ein Mensch, der aufgrund langjähriger Erfahrungen viel über die Gesellschaft und auch ihre dunklen Zonen weiß, ist Schwester Bernadette vom Orden „Guter Hirte“, die seit vielen Jahren als Seelsorgerin tätig ist. Ich habe sie am Klinikum rechts der Isar getroffen.

Mit viel Hartnäckigkeit ist sie immer durchs Leben gegangen und hat Menschen geholfen, die sich am Rande der Gesellschaft wiederfanden: Prostituierte, Drogenabhängige oder Strafgefangene. Einen Namen in der Öffentlichkeit hat sie sich vor allem gemacht als Spezialistin für ein Thema, von dem man wenig hört, bei dem aber unter der Oberfläche viel Unrecht passiert: Der Erbschleicherei. Nach einem Fall im persönlichen Umfeld hat sie dazu ein Buch geschrieben und ist seitdem auch mit Aufklärungsarbeit in diesem Bereich unterwegs.

Erbschleicherei hat viele Gesichter – in einem Drittel der Fälle ist es jemand aus der eigenen Verwandtschaft, in einem weiteren Drittel sind es völlig Fremde, z.B. Hilfspersonen oder Pflegepersonal, und ein weiteres Drittel könnte man unter neu geheirateten Ehepartnern verorten, wie die Kester-Haeusler-Stiftung, einem Forschungsinstitut für internationales Erbrecht angibt. Leider ist Erbschleicherei juristisch kaum zu packen, da sich hier viel auf einer subjektiven Ebene abspielt  – eine frühe Sensibilisierung ist der einzige Weg um diese zu verhindern.

Allen Erbschleichern zu eigen ist der Versuch, den Menschen, um dessen Erbe es geht, von seinem bisherigen sozialen Umfeld zu isolieren. Für den Erbschleicher ist das nächste Ziel das Abhängigmachen und langsame Erhöhen des Drucks. Dieser kann direkt durch Androhung von Konsequenzen aufgebaut werden oder auch subtil durch das Einreden eines schlechten Gewissens. Durch eine Mischung aus Abhängigkeit und Druck entsteht oft  eine Situation, bei der das Opfer, mitunter geschwächt durch Alter und Krankheit, schließlich nachgibt.

Schwester Bernadette leistet aber nicht nur in dieser „Mission“ Aufklärungsarbeit, sondern versucht über die Plattform www.mysisteract.de auch bürgerschaftliches Engagement zu fördern.

 

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