Warum ich als Abgeordneter auch Hausarzt bleibe

Warum ich als Abgeordneter auch Hausarzt bleibe

Warum ich als Abgeordneter auch Hausarzt bleibe

Nebentätigkeiten als Mitglied des Bundestages: hier meine Sichtweise

Abgeordnete und Nebentätigkeit: das ist ein Thema mit Zündstoff. Einige Kritiker sagen, als Abgeordneter sei man doch komplett ausgelastet und habe keine Zeit für zusätzliche Tätigkeiten. Andere befürchten Interessenkonflikte, die die Unabhängigkeit bedrohen.

Ich kann natürlich nur für mich persönlich sprechen und sage: Ich habe mich bewusst für eine Nebentätigkeit entschieden und erkläre gerne auch, warum:

Für mich war klar, dass ich auch im Falle meiner Wahl in den Deutschen Bundestag weiter als Arzt tätig sein möchte. Als Mitglied des Gesundheitsausschusses ist es für mich von zentraler Bedeutung, den Bezug zur medizinischen Praxis nicht zu verlieren. Ich habe mehrere Jahre als Arzt in der Inneren Medizin eines kommunalen Krankenhauses gearbeitet. Im Wahlkampf habe ich immer wieder betont, dass ich als Arzt ins Rennen gehe - auch weil ich glaubte, dass zu wenig Mediziner aus der Praxis in Deutschland an Gesetzen mitwirken. Bisher waren das nur wenige, nämlich nur sechs Ärzte bis 2013, die im Deutschen Bundestag vertreten waren.

Ich glaube, dass auch in einem Parlament die richtige Mischung wichtig ist: Wir brauchen eine Vielzahl an Lebenswegen und unterschiedliche berufliche Hintergründe im Bundestag - keinen Einheitsbrei. Und der eine oder andere Vertreter der medizinischen Praxis sollte eben auch dabei sein.

Ich möchte Praktiker bleiben

Fakt ist: Man entfernt sich schnell von der Routine des ärztlichen Berufes, wenn man nicht mehr „am Patienten“ steht. Abgeordnete erhalten zwar erstklassige Berichte, Expertenmeinungen, Unterrichtungen und Gutachten zu allen möglichen politischen Themen. Etwas in eigener Tätigkeit zu erfahren, ist dabei aber eine unschätzbare Ergänzung. Welche Auswirkungen unsere Entscheidungen in Berlin haben, erfährt man am besten direkt vor Ort, wo Gesundheitsversorgung stattfindet. Nebenbei: So wird man auch immun gegenüber allerlei „Einflüsterern“, die einem in der parlamentarische Praxis auch immer wieder begegnen.

Deshalb habe ich vor einigen Wochen eine Nebentätigkeit in einer Hausarztpraxis im Münchner Umland angenommen. In Teilzeit bin ich dort stundenweise in den Wochen außerhalb der Sitzungswochen anzutreffen - so auch diese Tage im heißen Sommer 2018. Hier kann ich beruflich fit bleiben und mir die Unabhängigkeit von der Politik bewahren. Ein weiterer wichtiger Punkt: Mit macht es Freude, mit den Patienten zu arbeiten. Ich mache viel Sprechstunden, Hausbesuche und helfe bei der Betreuung von Altenheimen mit. Gerade wenn man in der Politik tätig ist, sind solche unmittelbare Kontakte wichtig - auch über die Gesundheitspolitik hinaus.

Noch ein Wort zum Thema Finanzen - das spielt ja bei der Betrachtung der Nebentätigkeit zu recht immer eine Rolle: Als Abgeordnete sind wir verpflichtet, die Höhe unseres Einkommens beim Bundestagspräsidenten anzugeben. Dabei gilt ein Stufensystem. Ich liege dabei auf Stufe 1 monatlich, also der kleinsten meldepflichtigen Stufe. Tatsächlich geht es mir nicht um ein paar zusätzliche Euro, die selbstverständlich auch noch zu versteuern sind, sondern um den Bezug zur Praxis.

Mein Ziel bleibt es, Entscheidungen auf der Basis von Herz und Verstand, aber eben auch geprägt durch Erfahrung zu treffen.

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